Alice Bermann-Cohn  1914 – 2000

Ihre behütete Jugendzeit in einer liberalen Arztfamilie im deutschen Breslau fand 1933 durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten ein jähes Ende. Als Jüdin musste sie ihre Berufsausbildung zur Innenarchitektin abbrechen, der Verfolgung durch die Nazis entkam sie 1936 nach Holland, welches jedoch im Mai 1940 auch von Nazi-Deutschland besetzt wurde. Alle Gesetze und Verbote gegen Juden wurden dort sofort eingeführt. Weil sie Freunden zur Ausreise verhelfen wollte, wurde sie 1940 von der Gestapo verhaftet und 4 Tage lang verhört und bedroht, letztlich jedoch freigelassen. 1941 wurden Ausweise von jüdischen Personen mit einem grossen J gekennzeichnet. Im Mai 1942 wurde der Judenstern eingeführt und jüdische Menschen wurden in Sammellager verschleppt, von wo sie später in die Vernichtungslager deportiert wurden. Am Tag und vor allem nachts fanden Razzien statt, ganze Stadteile wurden auf der Suche nach Juden durchgekämmt, sie wurden gejagt.

1943 wurden auch Freunde zur Sammelstelle gebracht. Alice hatte den Mut, trotz scharfer Bewachung, als Krankenschwester gekleidet deren 3.5 Jahre alte Tochter zu entführen und bei einer Familie sicher unterzubringen.


Danach floh sie im letzten Moment aus Amsterdam nach Utrecht. Unter einem falschen Namen schloss sie sich einer holländischen Widerstandsgruppe an, die zunächst Kinder rettete, später auch von Zwangsarbeit bedrohten Holländern half. Alice arbeitete bis zum Kriegsende im Verborgenen als Fälscherin von Ausweisen, Bewilligungen und Lebensmittelkarten. Dadurch konnte sie ungezählten Menschen helfen und deren Leben retten. Dafür wurde sie, leider erst nach ihrem Tod, von der jüdischen Weltorganisation Bnei Brit ausgezeichnet.

Bei einem Besuch bei ihrer hierher geflüchteten Grosstante lernte sie 1946 ihren späteren Mann kennen. 1947 übersiedelte sie in das ländlich bäuerliche Liechtenstein. Sie gründeten eine Familie und Alice begann bald, ihren Ehemann Rudolf Bermann beim Aufbau der Lack- und Farbenfabrik Schekolin AG zu unterstützen. Als Grafikerin baute sie die Werbeabteilung auf. Die neue Heimat ist ihr sehr ans Herz gewachsen und es wurden viele glückliche Jahre in Schaan. Ihre Zivilcourage hat Alice Bermann-Cohn nie verloren. Unerschrocken engagierte sie sich zeitlebens für Gerechtigkeit, soziale Anliegen und Menschenwürde.

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