Die Rotter-Entführung

Als «Rotter-Entführung» wird ein Vorfall in Liechtenstein im Jahr 1933 in Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus bezeichnet.

Die in Deutschland geborenen und nach Liechtenstein eingebürgerten Gebrüder Alfred und Fritz Schaie, welche unter dem Künstlernamen «Rotter» auftraten, besassen damals mehrere Berliner Theater. 1933 gingen diese aufgrund des antisemitischen Drucks bankrott.

Daraufhin ermittelte die deutsche Justiz aufgrund von Vorwürfen, dass die Gebrüder den Bankrott betrügerisch herbeigeführt hätten. Trotz der Ergebnislosigkeit des Verfahrens wurde seitens der deutschen Presse Liechtenstein und dessen Einbürgerungsrecht angegriffen und Druck ausgeübt, um eine Auslieferung nach Deutschland zu erreichen.

Am 5. April 1933 lockten vier liechtensteinische sowie fünf deutsche Nationalsozialisten die Gebrüder aus ihrem Versteck, dem Liechtensteiner Waldhotel «Gaflei», und versuchten, diese nach Deutschland zu entführen. Der Entführungsversuch war gleichzeitig als «Auftakt» zur Gründung einer liechtensteinischen nationalsozialistischen Bewegung geplant. Doch der Versuch scheiterte, wobei Alfred und seine Frau Gertrud unterhalb der Siedlung Gaflei zu Tode stürzten.

Fritz entkam und verständigte die Liechtensteiner Regierung, wonach alle Attentäter wenig später verhaftet werden konnten. Zu diesen zählte auch der bekannte Architekt Franz Roeckle, der nicht selber an der Entführung beteiligt war, aber als Mentor und Berater der Entführer galt.

Diese wurden am 8. Juni desselben Jahres angeklagt und zu milden Kerkerstrafen zwischen vier Monaten und einem Jahr verurteilt, auch aufgrund der Ausblendung eines politischen Motivs in Rücksicht auf Deutschland. Zudem wurden vor der Urteilsverkündung über 700 Unterschriften im Land für eine Begnadigung der Attentäter gesammelt.

Im Oktober fand eine «Aussprache» der liechtensteinischen mit der deutschen Regierung statt, welche ein Ende der deutschen Pressehetz im Austausch für eine vorzeitige Entlassung der Attentäter und ein Stopp von Finanzeinbürgerungen hervorbrachte. Letzterer wurde 1934 auch durch ein Gesetz legitimiert. Die Entführung wirkte in der Bevölkerung wie ein Schock und sorgte damit für den Ausbleib der Gründung einer Liechtensteiner NS-Partei. Für Kritik sorgte auch die Verharmlosung des Vorfalls mit dem Wort «Rotteraffäre».

Quelle: Wikipedia